Kinderwunsch ab 40

TCM: Kinderwunsch

Kinderwunsch ab 40 – Es ist noch nicht zu spät

Viele Frauen über 40 sind heute gesund, vital – und werden schwanger. Dass der Zeitpunkt im Leben, an dem man sich ein Kind wünscht, nicht immer der biologisch günstigste ist, wissen die meisten. Dass er dennoch möglich ist, zeigen sowohl die Forschung als auch die klinische Praxis.

  • Fakten
  • Risikoschwangerschaft? Wirklich?
  • Es ist noch nicht zu spät

Die Fakten

Mit zunehmendem Alter nimmt die Fruchtbarkeit einer Frau allmählich ab. Verantwortlich dafür sind vor allem die sinkende Zahl der Eizellen und deren nachlassende Qualität. Dadurch dauert es häufig länger, bis eine Schwangerschaft eintritt, und das Risiko für Fehlgeburten steigt.

Dennoch entscheiden sich heute viele Frauen erst später für ein Kind. Ausbildung, Beruf, der Wunsch nach einer stabilen Partnerschaft oder schlicht der passende Zeitpunkt im Leben führen dazu, dass sich die Familiengründung oft in das vierte Lebensjahrzehnt verschiebt.

Neben den altersbedingten Veränderungen der Eizellen können auch gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose oder Adenomyose – eine Wucherung der Gebärmutterschleimhaut in die Muskelschicht – die Fruchtbarkeit zusätzlich beeinträchtigen. Beide werden mit zunehmendem Alter häufiger diagnostiziert.

Risikoschwangerschaft? Wirklich?

Frauen ab 35 Jahren gelten medizinisch als Schwangere mit erhöhtem Risiko. Diese Einstufung bedeutet jedoch nicht, dass Komplikationen zwangsläufig auftreten – sie dient vor allem dazu, Schwangerschaft und Geburt sorgfältiger zu begleiten.

Eine Studie von Mikko Myrskylä, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock, gemeinsam mit Alice Goisis von der London School of Economics (American Journal of Epidemiology, 2017) kommt zu einem differenzierten Ergebnis: Innerhalb derselben Familie steigerte ein höheres Alter der Mutter das Risiko für Frühgeburt oder geringes Geburtsgewicht nicht. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Frauen sich keine Sorgen über ihr Alter an sich machen sollten, wenn sie darüber nachdenken, ein Kind zu bekommen.“ Persönliche Lebensumstände, der allgemeine Gesundheitszustand und eine gute medizinische Betreuung scheinen für den Schwangerschaftsverlauf oft wichtiger zu sein als das bloße Lebensalter.

Unbestritten ist, dass mit zunehmendem Alter das Risiko für Fehlgeburten steigt – bedingt vor allem durch häufiger auftretende chromosomale Veränderungen der Eizellen. Auch die Einnistung gelingt nicht mehr so leicht wie in jüngeren Jahren.

Die Möglichkeiten der Schwangerschaftsvorsorge haben sich in den vergangenen Jahrzehnten jedoch erheblich verbessert. Engmaschige Kontrollen und moderne Diagnostik tragen dazu bei, Risiken frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Viele Schwangerschaften bei Frauen über 40 verlaufen heute ohne schwerwiegende Komplikationen. Auch wenn Frühgeburten oder ein geringeres Geburtsgewicht etwas häufiger auftreten können, entwickeln sich diese Kinder langfristig in aller Regel genauso gut wie Kinder jüngerer Mütter.

Es ist noch nicht zu spät

Die Zahl der Frauen, die sich erst jenseits des 40. Lebensjahres ihren Kinderwunsch erfüllen möchten, nimmt seit Jahren zu. Die Reproduktionsmedizin eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, kann die natürlichen altersbedingten Veränderungen der Eizellen jedoch nicht vollständig ausgleichen.

Gerade deshalb gewinnt eine frühzeitige Unterstützung der Fruchtbarkeit an Bedeutung. Die Traditionelle Chinesische Medizin verfolgt dabei einen anderen Ansatz: Sie zielt darauf ab, die körperlichen Voraussetzungen für eine Schwangerschaft zu verbessern – unter anderem durch die Förderung einer regelmäßigen Ovulation, die Unterstützung der Eizellreifung, die Verbesserung der Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut und die Regulation hormoneller und vegetativer Prozesse.

Nach meiner Erfahrung profitieren insbesondere Frauen über 40 von einer frühzeitigen und kontinuierlichen Behandlung. Sie ersetzt weder die Reproduktionsmedizin noch kann sie biologische Grenzen aufheben. Sie kann jedoch dazu beitragen, die individuellen Voraussetzungen für eine Schwangerschaft zu optimieren – und das ist es, worauf es ankommt.

Deshalb gilt: Je früher Sie beginnen, desto besser sind Ihre Chancen.

Referenzen:

  • Lean SC et al. (2017). Advanced maternal age and adverse pregnancy outcomes: A systematic review and meta-analysis. PLOS ONE. Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
    Wichtigste Ergebnisse: Die Auswertung von 75 Studien zeigt, dass mit zunehmendem Alter zwar bestimmte Schwangerschaftsrisiken ansteigen, die meisten Frauen über 35 jedoch gesunde Kinder zur Welt bringen. Die Risiken nehmen kontinuierlich zu und beginnen nicht erst ab einer festen Altersgrenze.
    Originalpublikation: PLOS ONE
  • Goisis A, Remes H, Barclay K, Martikainen P, Myrskylä M (2017). Advanced Maternal Age and the Risk of Low Birth Weight and Preterm Delivery: A Within-Family Analysis Using Finnish Population Registers. American Journal of Epidemiology, 186(11), 1219–1226. Registerbasierte Kohortenstudie
    Wichtigste Ergebnisse: Durch den Vergleich von Geschwistern innerhalb derselben Familie zeigte sich, dass der Einfluss des mütterlichen Alters auf Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht deutlich geringer ausfällt als häufig angenommen. Ein Teil der beobachteten Risiken lässt sich durch familiäre und soziale Faktoren erklären.
    Originalpublikation: Oxford Academic
  • American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) & Society for Maternal-Fetal Medicine (2022). Pregnancy at Age 35 Years or Older. Obstetric Care Consensus. Evidenzbasierte Leitlinie
    Wichtigste Ergebnisse: Die Leitlinie betont, dass die Altersgrenze von 35 Jahren keine starre biologische Grenze darstellt. Entscheidend sind der individuelle Gesundheitszustand, eine sorgfältige Schwangerschaftsvorsorge und die persönliche Risikosituation. Die Mehrzahl der Schwangerschaften bei gesunden Frauen über 35 verläuft ohne schwerwiegende Komplikationen.
    Originalpublikation: ACOG
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